composer

Caspar René Hirschfeld

Wernigerode

Violine

werk

Ghasel

vita

Caspar René Hirschfeld zählt laut Verlag Neue Musik Berlin zu „den vielseitigsten und interessantesten Komponisten seiner Generation“. Der US-amerikanische Kritiker Mark Gabrish Conlan urteilte über seine Musik für Piano Solo: „Ein Stück, das Sie hören müssen, wenn Sie über die Zukunft klassischer Musik nachdenken“ (Fanfare Magazine 49/2).

Seit der erfolgreichen Uraufführung seiner Kammeroper „Bianca“ bei den Salzburger Festspielen 1991 werden Hirschfelds Werke weltweit gespielt – von Europa über Asien und Lateinamerika bis nach Nordamerika. Zu den Höhepunkten zählen die Uraufführung seines Doppelkonzerts für Violine, Violoncello und Orchester 2005 im Magdeburger Dom (im Rahmen der Verleihung der Kaiser-Otto-Medaille an Richard von Weizsäcker), die deutsche Erstaufführung seines Violinkonzerts 2009 (nach der Uraufführung 2008 in Südkorea) sowie die Uraufführung der Ballettproduktion „PI – sound of infinity“ (2024, New Chambers Ballet New York), eine Verbindung elektronischer Komposition mit Visual Arts.

Sein umfangreiches Œuvre reicht von Musiktheater, Ballett und Sinfonik über Chor-, Vokal- und Kammermusik bis zu Solowerken, elektronischer Musik, Tangos, Jazz-Zyklen und Chansons. Für seine Kompositionen erhielt Hirschfeld zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter Preise beim Carl-Maria-von-Weber-Wettbewerb (1984), den Eisler-Preis (1986) und das Mendelssohn-Stipendium (1988/89).

Geboren 1965 in Wernigerode, erhielt Hirschfeld ab 1970 Violinunterricht und begann mit neun Jahren zu komponieren. Nach seinem Studium der Komposition und Violine an der Dresdner Musikhochschule (1982–87) und einer Meisterklasse bei Udo Zimmermann (1987–89) lebte er bis 2018 als freischaffender Komponist in Berlin, seitdem wieder in seiner Geburtsstadt. Bis 2022 wurden seine Werke vom Verlag Neue Musik Berlin und dem Hofmeister Musikverlag Leipzig verlegt; seit 2022 ist er exklusiv beim Verlag Neue Musik. CD-Einspielungen seiner Werke erschienen bei Edel Music, col legno, TYXart und kreuzberg records.

2017 veröffentlichte Hirschfeld das Buch „Bewegung als strukturelles Gestaltungsmittel von Musik und anderen Künsten“, in dem er – basierend auf Rudolf von Labans Bewegungslehre und Paul Klees Kunsttheorie – einen innovativen Ansatz zur epochenübergreifenden musikalischen Analyse entwickelt.

werk

Die Ghasel für zwei Akkordeons entstand 2023 für das Duo con:trust und basiert auf der gleichnamigen vorislamisch-arabischen Gedichtform, die später von Persien über Indien auch nach Europa gelangte. Ihr eigentümlicher Reiz besteht in der ständigen Wiederholung eines „Reims“ im jeweils zweiten Vers nach dem Schema A – A / B – A / C – A / D – A etc. In meiner Komposition thematisiert dieser „Vers“ das Übereinanderliegen schneller, auch unkontrollierter Bewegung (am Anfang in Form von Klappengeräuschen, später in schnellen, impulshaften 32steln) und liegenden Tönen, die sich von Vierteltonschwebungen über die Sekunde und Terz bis zur Quinte entfalten. Eine Besonderheit des Werkes ist, dass auch die anderen Verse (B, C etc.) miteinander verbunden sind durch verwandtes Material, was im Laufe des Stückes in immer neuer Ausprägung erscheint. Dabei tritt die Idee des klassischen Duos zurück hinter der Verschmelzung beider Instrumente zu einem Doppel-Akkordeon. Auch die sich „reimenden“ A-Teile durchlaufen eine Metamorphose, bleiben also nicht gleich, sondern haben nur das oben beschriebene Prinzip und die Intervalle, nicht aber deren genaue Anordnung gemeinsam. So entstehen trotz der für die Ghasel typischen, leicht schwebenden Atmosphäre andererseits aber auch Kulminationen und Kontraste. Außerdem spiegele ich die Form, d.h. das Werk endet nicht mit einem Doppelvers „X – A“,sondern, ähnlich wie es anfängt, mit A – A, und damit in die Stille zurückkehrt, aus der es aufgetaucht ist.
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