wanderling wondering
Wenn Sprache klingt und Landschaft spricht
Was trägt ein Mensch, wenn er wandert? Geschichten. Erinnerungen. Spuren.
Das interdisziplinäre Projekt wanderling wondering ist eine künstlerische Spurensuche durch Zeit, Raum und Klang – eine Wanderung durch Sprache, Geräusch und Gestalt. Es basiert auf Texten der Lyrikerin Ulrike Draesner, komponiert von Michael Maria Ziffels, gestaltet in enger Zusammenarbeit mit dem Kollektiv Endliche Automaten.
Was entsteht, wenn ein Flügel auf elektronische Impulse trifft, wenn ein Gedicht sich zersplittert in Klänge, wenn Stimmen aus dem Wurzelwerk steigen?
wanderling wondering verbindet musikalische Präzision mit performativer Offenheit, poetischer Aufladung mit klanglicher Forschung. Die Komposition folgt keiner linearen Erzählung, sondern entfaltet sich als «klanglicher Prolog» – ein tastendes, suchendes Formspiel, das Bekanntes hinterfragt und neue Räume öffnet.
Zwischen Erde und Elektronik
Die musikalische Sprache von wanderling wondering ist vielstimmig. Akustische und elektronische Klänge fließen ineinander, Textfragmente verschmelzen mit Klangbildern. Die westliche 12-Ton-Stimmung wird hinterfragt, mikrotonale Elemente werden erforscht. Recycelte Klangkörper aus Holz und Wasser, gebaut aus Naturmaterialien und Fundstücken, geben dem Werk eine elementare, beinahe archaische Ebene.
Die Sprache Draesners wird nicht illustriert, sondern erkundet – als Körper, als Bewegung, als Impuls. Mal bleibt der Text verständlich, mal zerfällt er in Laute, Vibrationen, Sprachsplitter. Die Komposition reagiert auf diese Sprachlandschaft wie auf ein Gelände: suchend, forschend, lauschend.
Wer spricht? Wer hört? Wer bleibt?
Das Stück thematisiert Wanderschaft – geografisch, klanglich, historisch. Es erzählt nicht, sondern fragt: Wer hat welche Geschichte weitergegeben? Wer wurde vergessen, verdrängt, zum Schweigen gebracht? In Zeiten von Migration, Klimakrise und kultureller Umdeutung wird künstlerische Erinnerungspolitik zu einer essenziellen Praxis. wanderling wondering begegnet diesen Fragen nicht mit Antworten, sondern mit Resonanzen.