Konzert und werkstatt
26.09.2026 | 19:00

#12 wanderling wondering

konzert

Jessika Dirks, Luca Segger, Aaron Greese, Elischa Brämer, Achim Oerter und Michael Maria Ziffels

Musik für Ensemble

Ort St. Johannis-Kirche

wanderling wondering

Wenn Sprache klingt und Landschaft spricht

Was trägt ein Mensch, wenn er wandert? Geschichten. Erinnerungen. Spuren. Das interdisziplinäre Projekt wanderling wondering ist eine künstlerische Spurensuche durch Zeit, Raum und Klang – eine Wanderung durch Sprache, Geräusch und Gestalt. Es basiert auf Texten der Lyrikerin Ulrike Draesner, komponiert von Michael Maria Ziffels, gestaltet in enger Zusammenarbeit mit dem Kollektiv Endliche Automaten.

Was entsteht, wenn ein Flügel auf elektronische Impulse trifft, wenn ein Gedicht sich zersplittert in Klänge, wenn Stimmen aus dem Wurzelwerk steigen?

wanderling wondering verbindet musikalische Präzision mit performativer Offenheit, poetischer Aufladung mit klanglicher Forschung. Die Komposition folgt keiner linearen Erzählung, sondern entfaltet sich als «klanglicher Prolog» – ein tastendes, suchendes Formspiel, das Bekanntes hinterfragt und neue Räume öffnet.

Zwischen Erde und Elektronik

Die musikalische Sprache von wanderling wondering ist vielstimmig. Akustische und elektronische Klänge fließen ineinander, Textfragmente verschmelzen mit Klangbildern. Die westliche 12-Ton-Stimmung wird hinterfragt, mikrotonale Elemente werden erforscht. Recycelte Klangkörper aus Holz und Wasser, gebaut aus Naturmaterialien und Fundstücken, geben dem Werk eine elementare, beinahe archaische Ebene.

Die Sprache Draesners wird nicht illustriert, sondern erkundet – als Körper, als Bewegung, als Impuls. Mal bleibt der Text verständlich, mal zerfällt er in Laute, Vibrationen, Sprachsplitter. Die Komposition reagiert auf diese Sprachlandschaft wie auf ein Gelände: suchend, forschend, lauschend.

Wer spricht? Wer hört? Wer bleibt?

Das Stück thematisiert Wanderschaft – geografisch, klanglich, historisch. Es erzählt nicht, sondern fragt: Wer hat welche Geschichte weitergegeben? Wer wurde vergessen, verdrängt, zum Schweigen gebracht? In Zeiten von Migration, Klimakrise und kultureller Umdeutung wird künstlerische Erinnerungspolitik zu einer essenziellen Praxis. wanderling wondering begegnet diesen Fragen nicht mit Antworten, sondern mit Resonanzen.
programm

wanderling wondering — URAUFFÜHRUNG

0. Die gängige Mär* — Was geritten wird | PROLOG
(*surprise: die anderen waren immer schon da)
1. ahva* — Ströme der Bewegung
(*gotisches Wort für Fluss, Wasser)
2. wudu* – Stimmen des Holzes
(altenglisch für forest, wood, tree)
3. galan* – Stimmen der Erde
(altenglisch für sing, cry) Sprache (Lied) — song of thrown
4. blandan* – alles fließt zusammen
(altenglisch mit der Bedeutung, etwas so zu mischen, dass die einzelnen Bestandteile sich nicht mehr trennen lassen)
5. támah* – wenn das licht weicht
(*sanskrit für Dämmerung) Sprache II — es

Das selbstorganisierte Zusammenspiel von unzähligen Teilen im harmonischen Ganzen einer Zelle stellt jede Sinfonie weit in den Schatten. Oder um es anders zu sagen: Dass Menschen Musik schaffen und wahrnehmen können, ist ein Spiegel der Tatsache, dass sie selbst aus etwas bestehen, das der Musik ähnlich ist. Fabian Scheidler

künstler*innen

Das selbstorganisierte Zusammenspiel von unzähligen Teilen im harmonischen Ganzen einer Zelle stellt jede Sinfonie weit in den Schatten. Oder um es anders zu sagen: Dass Menschen Musik schaffen und wahrnehmen können, ist ein Spiegel der Tatsache, dass sie selbst aus etwas bestehen, das der Musik ähnlich ist.

Fabian Scheidler

Das Kollektiv Endliche Automaten vereint musikalische Persönlichkeiten und Klangwelten: Stimme, Klavier, Gitarre, Flöte und Elektronik verschmelzen zu einem intermedialen Ensemble, das an der Schnittstelle von Komposition, Improvisation und Performance arbeitet. Gegründet von Michael Maria Ziffels im Spannungsfeld zwischen Hitzacker und Hannover, erkundet das Kollektiv neue Formen des Miteinanders: mal spielerisch, mal intensiv, stets grenzübergreifend. Jessika Dirks bringt ihre konzentrierte Präsenz aus Sprache und Performance ein, Aaron Greese verwebt Piano, Keyboard und vokale Texturen zu klanglichen Miniaturen, Achim Oerter erweitert das Spektrum mit Flöte, Stimme und überraschenden Klangfarben. Michael Maria Ziffels steuert kompositorische Impulse, performative Klarheit und technologische Raffinesse bei. Das Kollektiv arbeitet prozesshaft: Klangräume entwickeln sich im Moment, improvisatorische Momente treffen auf kompositorische Strukturen. So entsteht ein lebendiges, poetisches Klanggeflecht, in dem jede Stimme Gehör findet und eben doch Teil eines gemeinsamen Atems bleibt.

Kollektiv Endliche Automaten (Hitzacker – Hannover)

veranstaltungsort

St. Johannis-Kirche, An der Kirche 1, 29456 Hitzacker

gefördert durch
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.