composer

Michael Maria Ziffels

Hitzacker (Elbe)

Klavier
Live-Elektronik
Performance

werk

Atem der Erde

vita

Ich suche in Klängen das, was Worte nicht sagen können – Brüche, Übergänge, Zonen des Dazwischen. Meine Musik entsteht dort, wo Stille zu sprechen beginnt und Maschinen atmen lernen. Sie fragt nach Nähe in einer lauten Welt, nach Menschlichkeit im Digitalen und nach Widerstand im Klang.

Mit ACHTELTON – Live Sonic Research habe ich einen Raum geschaffen, in dem Hören zu einer Haltung wird – offen, forschend, wach. Ich arbeite an den Schnittstellen von Komposition, Installation und Performance. In meinen Projekten begegnen sich akustische Instrumente, Elektronik, Stimme und Bewegung – stets auf der Suche nach neuen Formen des Ausdrucks, nach einer Musik, die mehr fragt, als sie antwortet.

werk

Ulrike Draesners »Doggerland« ist ein Gedicht über das Verschwinden – und über das, was im Verschwinden weiterwirkt. Die ausgewählte Passage aus dem dritten Kapitel („die Fremden (endlich was los = a lot in the slot)“) verdichtet diese Spannung: zwischen dem Schutz der Hütten und der Gewalt der Elemente, zwischen dem „langsam pulsenden, wässrigen Herz“ und der Kälte, die „erschlägt, ohne auszulöschen“.

In „Atem der Erde“ wird der Text nicht nur gesprochen, sondern durchdrungen – von Gleiswörtern, die wie ein unterirdisches Flüstern das Stück begleiten: „wald, moos, grün, nebel, riechen, blitz, hast“ (deutsch) und „repeat, mist, motion, fall, dog of fog“ (englisch). Diese Wörter sind keine Dekoration, sondern rhythmische und semantische Markierungen – sie verweisen auf das Unsichtbare, das zwischen den Zeilen und Klängen existiert.

Die Santur übernimmt hier eine ungewöhnliche Rolle: Sie ist weniger Melodie- als Rhythmus- und Klanginstrument. Mit Plektrum werden die (elektronisch verstärkten) Saiten nicht nur angeschlagen, sondern gekratzt, bis sie ein raues, fast tierisches Flirren erzeugen. Mit Bogenhaar aus dem Streichinstrumentenbau werden die Saiten in Schwingung versetzt – die Santur wird so zum Hybrid aus Hackbrett und Streichinstrument, das die Grenzen zwischen Perkussion und Sustenuto verwischt. Zusammen mit der Bassklarinette, die das „Hämmern“ des Eises in tiefe, vibrierende Stöße übersetzt, und der Violine, die die „Regenschnüre“ in filigrane, zerbrechliche Linien auflöst, entsteht ein Klanggeflecht, das zwischen Archaischem und Elektronischem oszilliert.

Die Live-Elektronik greift diese Klänge auf, verfremdet sie, lässt sie zu neuen Gewittern anwachsen – oder in Nebel zerfließen. Sie ist kein Effekt, sondern ein Mitspieler, der die Naturgewalten („es weht es stürmt die kälte bricht“) in Echtzeit formt und deformiert.

„Atem der Erde“ ist eine Komposition über das Atmen im Untergang – über das, was bleibt, wenn die Sprache zerbricht und nur noch der Klang erzählt.
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