vita
Wookhyun Lacey Kwon ist eine koreanische Komponistin, deren künstlerischer Fokus auf der präzisen
Übertragung konkreter Ideen und Konzepte in musikalische Sprache liegt. Ihr kompositorischer Ansatz
zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Streben nach Klarheit aus: Jedes musikalische Element soll in sich
schlüssig sein und auf nachvollziehbaren Regeln sowie einer konsistenten inneren Logik beruhen. Auf diese
Weise entwickelt sie Werke, die strukturelle Transparenz mit konzeptioneller Stringenz verbinden.
Derzeit promoviert sie in Komposition und Musiktechnologie an der Northwestern University bei Alex Mincek
und Jay Alan Yim, nachdem sie zuvor unter anderem in Chicago bei Hans Thomalla studierte. Sie verfügt
über einen Master of Music in Komposition von der Manhattan School of Music sowie einen Bachelor of
Music in Komposition von der Kookmin University in Seoul.
werk
Akkordeons verfügen über drei Register in der rechten Hand und zwei in der linken. Werden diese jeweils
einmal verwendet, ergeben sich sechs mögliche Kombinationen. Diese bilden die strukturelle Grundlage des
Stücks. Innerhalb jeder Kombination definieren die höchsten und tiefsten Töne eine Art kritische Achse, die
die jeweiligen Abschnitte bestimmt. Die Töne, die sich entlang dieser Achse zwischen rechter und linker
Hand überschneiden, sind in skalenartigen Sequenzen organisiert. Deren Richtung sowie die Punkte, an
denen sie ihre Richtung ändern, werden anhand einer zugrunde liegenden Datenstruktur bestimmt, die sich
aus der Gesamtanzahl der Kombinationen ableitet. Alle daraus gewonnenen Daten – die sechs
Registerkombinationen, die jeweiligen Extremtöne sowie die überlappenden Tonbereiche beider Hände –
werden von zwei Akkordeons gespiegelt und verdoppelt. In der Partitur erscheinen diese Informationen in
ihrer Rohform: als direkte Auflistung ohne zusätzliche Interpretation. Das Prinzip des Aufreihens zieht sich
dabei als ästhetische und gedankliche Linie durch das Stück. Ob beim vertikalen Falten von Wäsche, beim
Ordnen meiner Pflanzen am Wochenende oder beim heimlichen Katalogisieren zufälliger, kleiner Dinge –
diese alltäglichen Handlungen spiegeln die Art und Weise wider, wie ich die Bewegungen von zwanzig
Fingern auf zwei Akkordeons strukturiere.
Meine erste Begegnung mit dem Akkordeon – mit Marius in Weimar im Jahr 2021 – empfand ich als beinahe spielzeughaft, geprägt von einer eigentümlichen Mischung aus Einfachheit und komplexem Spiel. Durch die verschiedenen Phasen des Komponierens und Aufführens dieses Stücks entsteht für mich die Vorstellung, dass die Daten selbst eine Stimme bekommen – fast so, als würden sie sagen: tada, Daten.
Meine erste Begegnung mit dem Akkordeon – mit Marius in Weimar im Jahr 2021 – empfand ich als beinahe spielzeughaft, geprägt von einer eigentümlichen Mischung aus Einfachheit und komplexem Spiel. Durch die verschiedenen Phasen des Komponierens und Aufführens dieses Stücks entsteht für mich die Vorstellung, dass die Daten selbst eine Stimme bekommen – fast so, als würden sie sagen: tada, Daten.